„Es trifft immer die Falschen“

12.03.2018

Nach den Anschlägen auf die Moschee und einen türkischen Gemüseladen in Itzehoe hat das Landeskriminalamt die Ermittlungen aufgenommen

Die Polizei hat den Gemüseladen in der Kirchenstraße als Tatort beschlagnahmt. DIe Beschädigungen seien nicht unerheblich, ließen sich aber noch nicht beziffern, so die Polizei.

Landrat Torsten Wendt und Bürgermeister Andreas Koeppen (r.) machten sich am Montagnachmittag selbst ein Bild von den beiden Tatorten und ließen sich von den Ermittlern des LKA auf den neuesten Ermittlungsstand bringen.

LKA-Ermittler sicherten Spuren an der Brandstelle.

"Die Gemeinde ist bekümmert", sagte Leyla Aricioglu vor den eingeschlagenen Fensterscheiben der Moschee. Fotos: Claaßen

Itzehoe (tc) – „Ich habe keine Erklärung, warum es gerade Itzehoe getroffen hat.“ Bürgermeister Andreas Koeppen steht kopfschüttelnd vor dem türkischen Gemüseladen, auf den in der Nacht zu Sonntag ein Brandanschlag verübt worden ist. Acht Menschen konnten die darüberliegenden Wohnungen unverletzt verlassen, weil ein 27-jähriger Itzehoer das Feuer im Eingangsbereich bemerkt und die Bewohner herausgeklingelt hatte. „Gewalt kann sich nicht gegen Betreiber von Geschäften und Religionen wenden“, betont Landrat Torsten Wendt. Und doch ist es so passiert. Zusammen mit dem Bürgermeister macht er sich am Montagnachmittag selbst ein Bild von den beiden Tatorten. Denn bevor es in der Kirchenstraße anfing zu brennen, sind in der Moschee am Bahnhof, nur wenige Hundert Meter entfernt, zwei Scheiben eingeschlagen worden.
Zufall? Daran mag weder Koeppen noch Wendt glauben. Auch die Polizei nicht. Während sie vor dem abgesperrten Gemüseladen stehen, sichern Ermittler des Landeskriminalamtes Spuren. Die Beamten fanden keine Anzeichen für eine fremdenfeindliche Tat, schließen stattdessen eine politisch motivierte Aktion nicht aus, die im Zusammenhang mit dem türkisch-kurdischen Konflikt infolge der Militäroffensive im syrischen Afrin stehen könnte. Ähnliche Vorfälle vom Wochenende im Bundesgebiet scheinen diese Theorie zu bekräftigen.

„Das hinterlässt kein gutes Gefühl.“

An der Moschee in der Wilhelm-Biehl-Straße steht Leyla Aricioglu vor den Scherben des friedlichen Zusammenlebens. „Die Gemeinde ist bekümmert“, sagt die zweite Vorsitzende des türkisch-islamischen Kulturvereins. „Das hinterlässt kein gutes Gefühl.“ Der Sohn des Imams hörte in der Nacht Stimmen, dann das Bersten von Fensterscheiben. Zwei Männer sah er davonlaufen. „Es trifft immer die Falschen“, sagt Leyla Aricioglu. „Wir haben doch mit den ganzen politischen Ereignissen gar nichts zu tun.“
Wer auch immer diese Taten begangen hat, „wir verurteilen sie“, sagt Koeppen, der keine Verdächtigungen aussprechen möchte. Zusammen mit Torsten Wendt bietet er den Betroffenen öffentliche Hilfe an. „Itzehoe ist eine friedliche Stadt“, sagt Wendt. „Und wir legen Wert darauf, dass das auch so bleibt.“

  • Bauen Wohnen

    Bauen Wohnen 2018 12

  • Berufswahl Extra

    Berufswahl Extra 2018 6